Italienischer Renaissancegarten

In der italienischen Renaissance erlebte auch die Natur eine Neubewertung, sie wurde zur Projektionsfläche eines neuen Lebensglücks. Seit Petrarca verbreitete sich die Idealvorstellung von Landvilla und Garten als Refugium, als eines Arkadien, das ganz im Gegensatz zur städtischen Sphäre steht. In den Städten waren Grund und Boden für die Verwendung als Nutz- und Lustgarten meist zu teuer , die Parzellen zu klein. Der vor der Stadt gelegene Garten wurde wie schon in der Antike als Kunstwerk begriffen. Römische Gärten wie die des Lukull auf dem Pincio und die des Maecenas auf dem Esquilin, die Horti Salllustiani des Schriftstellers Sallust, die Gärten Julius Caesars in Trastevere, die kaiserlichen Gärten auf dem Palatin und vor allem die Gärten der Domus Aurea des Nero waren durch detaillierte literarische Beschreibungen überliefert. Nach Suetons „Vitae Caesarum“ erstreckten sich die Gärten der Domus Aurea über hundert Hektar und beinhalteten Wiesen und Ackerflächen, Weinberge, Obstplantagen und künstliche Seen. Der Theoretiker Leon Battista Alberti forderte 1485 erstmals, den Garten in Beziehung zur Architektur, zur Villa, und zu den bildenden Künsten, etwa der Gartenplastik, zu setzen. Seine regelmässige Grundrissform sollte architektonischen Mustern folgen, der Garten eine zentrale Mittelachse besitzen und perspektivische Fluchtlinien entwickeln, was auf den Einfluss der Zentralperspektive in der Malerei hindeutet. In der italienischen Sprache drückt sich die Einheit von Landsitz und Gartenanlage bis heute darin aus, dass das Wort „Villa“ synonym für beide benutzt wird. Zur Bibel der Gartenkunst der Renaissance entwickelte sich der 1499 erstmals erschienene, allegorische Roman „Hypnerotomachia Poliphili“. Die Insel auf der der Held Poliphilus landet, ist ein riesiger Garten, dessen Schönheit ausführlich beschrieben wird. An diesem verzauberten Ort, der den Umriss eines Kreises hat, vereinigt sich die Üppigkeit der Natur mit der Eleganz der geometrischen Form. Alle grossen Gartenschöpfer der italienischen Renaissance berufen sich auf diesen Roman, dessen Autor unbekannt blieb. Viele Forscher vermuten Alberti selbst hinter dem Pseudonym Francesco Colonna. Der italienische Renaissancegarten präsentiert sich häufig als ein durch Treppen verbundener Terrassengarten, was daran liegt, dass sich die Villenkultur wie schon zur Römerzeit in den klimatisch begünstigten Hanglagen der Berge in Latium, der Toskana oder Ligurien ausbreitete. Ebenen galten wegen der verbreiteten Malaria als ungesund. Selbst in der venezianischen Terraferma, der einzigen Villegiatura Italiens, die sich in einer ausgesprochenen Tiefebene entwickelt hat, lagen die frühen Villen an den wenigen Hügeln der Region. Angesichts der heissen italienischen Sommer bildeten Quellen und natürliche Wasserläufe eine Grundvoraussetzung für die Anlage der Gärten. Es ging dabei nicht nur um die Bewässerung, viele der grossen Renaissancegärten waren in erster Linie berühmt für das faszinierende Schauspiel ihrer Wasserkünste. Im Manierismus kamen Scherzfontänen in Mode, die den Gartenbesucher nass spritzen, wenn er etwa auf eine bestimmte Bodenplatte trat. Ein typisches Element des italienischen Renaissancegartens war die Grotte, ein verschwiegener mysteriöser Ort, der den Übergang zur Unterwelt symbolisierte. Naturgemäss sind Gärten vergänglich. Selbst in Italien, wo in Tivoli, Bagnaia, Caprarola und andernorts noch berühmte Renaissancegärten erhalten blieben, ist nur die architektonische Fassung der Gärten wie Mauern, Treppen, Terrassen, Brunnen, Grotten, Plastiken original. Über die Bepflanzung dieser Gärten gehen die Ansichten auseinander. Die in Gemälden, Zeichnungen und Stichen überlieferten Gartendarstellungen konzentrieren sich meist auf die Struktur der Anlagen. Blumengärten waren auch für adlige Ansprüche etwas Exklusives. Manche Blumen dienten als Medizin, sie wurden zu Pestmittel oder Parfüm destilliert. In vielen Lustgärten der Renaissance wurden auch Obst und Gemüse angebaut und Fische gezüchtet. In Tschechien haben sich die architektonischen Fassungen der Renaissancegärten in Telčund Jindřichův Hradec erhalten, der Garten in Bučoviceist ein etwas nüchtern ausgefallener Rekonstruktionsversuch der 60er-Jahre des vorigen Jahrhunderts (20.). Der schönste Garten im Übergang von der Renaissance zum Barock mit allerlei manieristischen Elementen ist der Blumengarten in Kroměříž.

Drucken